Dennis Hackethal’s Blog

My blog about coding, philosophy, and anything else that interests me.

Second Interview with David Deutsch / Zweites Interview mit David Deutsch

As requested, the following is a (only lightly edited) transcript of my second interview with David Deutsch about his book The Beginning of Infinity, which I translated into German. The translation is available for purchase here. You can find an English transcript of our first interview here and the video here.
Im Folgenden finden Sie, wie gewünscht, eine (nur leicht überarbeitete) Abschrift meines zweiten Interviews mit David Deutsch über sein Buch Der Anfang der Unendlichkeit, das ich ins Deutsche übersetzt habe. Die Übersetzung ist hier erhältlich. Eine englische Abschrift unseres ersten Interviews finden Sie hier und das Video hier.


Dennis Hackethal (DH): Last time we spoke about superintelligence. And we concluded that there can’t be such a thing as superintelligence because there’s a universality underlying the human mind, and every other intelligence, artificial or not, would have that in common with us. And as you said earlier in that interview, there can be no such thing as something to us as we are to apes, for example.
Dennis Hackethal (DH): Letztes Mal sprachen wir über Überintelligenz/Superintelligenz. Und wir kamen zu dem Schluss, dass es so etwas wie Überintelligenz nicht geben kann, weil dem menschlichen Verstand eine Universalität zugrunde liegt, die jede andere Intelligenz, ob künstlich oder nicht, mit uns gemeinsam hätte. Und wie Sie bereits in jenem Interview sagten, kann es nichts geben, das in einem Verhältnis zu uns steht, wie wir zum Beispiel zu Affen stehen.
DH: This brings us to the question of our role in the cosmos in general. For example, you say that for centuries we believed that we were at the center of the universe, that the sun and the stars revolved around us, and that there were gods who take great interest in what we down here on earth do. So everything was about us. This is anthropocentrism – the idea that people are at the center, that they’re the most important thing. Most explanations of everyday phenomena were anthropocentric.
DH: Das bringt uns zu der Frage, welche Stellung wir im Kosmos einnehmen. Sie schreiben zum Beispiel, wir hätten jahrhundertelang geglaubt, dass wir im Zentrum des Universums stehen, dass sich die Sonne und die Sterne um uns drehen und dass es Götter gibt, die sich sehr dafür interessieren, was wir hier unten auf der Erde tun. Also drehte sich alles um uns. Das ist der Anthropozentrismus – die Vorstellung, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, dass er das Wichtigste ist. Die meisten Erklärungen für Alltagsphänomene waren anthropozentrisch.
DH: But nowadays many people in the West have since decided not to take anthropocentric approaches. And now our most fundamental explanations don’t involve humans at all. Our best explanations in physics are about things like forces or space and time. So one could conclude, as many scientifically minded people do nowadays, that people aren’t that important at all. But you take issue with this.
DH: Doch heutzutage haben viele Menschen im Westen beschlossen, keine anthropozentrischen Ansätze mehr zu verfolgen. Unsere grundlegendsten Erklärungen haben mit dem Menschen nichts mehr zu tun. Unsere besten Erklärungen in der Physik beziehen sich auf Dinge wie Kräfte oder Raum und Zeit. Man könnte also zu dem Schluss kommen, wie es viele wissenschaftlich denkende Menschen heutzutage tun, dass der Mensch gar nicht so wichtig ist. Aber Sie widersprechen dem.
David Deutsch (DD): Yes. And the fact that there are only two kinds of entities in the world – the ones that can create explanatory knowledge and the ones that don’t – the connection between those two things is via the laws of physics; via the universality of the laws of physics. The universality that links us with all possible AGIs (artificial general intelligences), extraterrestrial intelligences, and so on, is precisely the universality of the laws of physics. So it’s an interesting fact that we got the concept of universal laws of physics by distancing ourselves more and more from anthropocentrism. When we had completely finished this process and got round to the modern concept of universal laws of physics, universal laws of computation, of evolution, and so on, we finally got round to realizing that that puts us at the center of things in a completely different way. Or I would say, two ways.
David Deutsch (DD): Ja. Und die Tatsache, dass es nur zwei Arten von Entitäten auf der Welt gibt – diejenigen, die erklärendes Wissen schaffen können, und diejenigen, die das nicht tun – der Zusammenhang zwischen diesen beiden Dingen ergibt sich durch die physikalischen Gesetze; durch die Universalität der physikalischen Gesetze. Die Universalität, die uns mit allen nur möglichen KAIs (künstlichen allgemeinen Intelligenzen), außerirdischen Intelligenzen usw. verbindet, ist ebendiese Universalität der physikalischen Gesetze. Es ist also interessant, dass wir das Konzept der universellen physikalischen Gesetze erlangten, indem wir uns mehr und mehr vom Anthropozentrismus entfernten. Als wir diesen Prozess vollständig abgeschlossen hatten und zu dem modernen Konzept der universellen physikalischen Gesetze, der universellen Gesetze der Berechnung, der Evolution und so weiter gekommen waren, stellten wir schließlich fest, dass wir damit auf eine ganz andere Weise im Mittelpunkt der Dinge stehen. Oder ich würde sagen, auf zwei Weisen.
DD: One is that the testability that scientific theories have produces a link between understanding the world and controlling it, because controlling it is always putting to the test an understanding of it. And the understanding has got to be testable, therefore we can control more and more of the world, and the more of it we understand. There’s also the other way round, that simply to understand humans – and I’ve put this argument in the book – one must understand the laws of physics in their entirety, because in order to understand when the team of scientists are going to pop the champaign cork, and you regard that as a physical system, you want to predict when or whether it will pop the champagne cork, you must understand whether they are going to succeed in understanding the thing they’re trying to understand, which could be anything. It could be something about distant galaxies, about quarks… and it could be something about biology or morality or whatever. When they succeed, they will pop the champaign cork; if you want to predict that, you need to know the truth of the matter that they’re investigating. So to understand humans – just humans – you need to understand everything. And, conversely, as I said initially, humans can affect anything and eventually control anything that’s controllable.
DD: Eine davon lautet, dass die Überprüfbarkeit wissenschaftlicher Theorien einen Zusammenhang zwischen dem Verständnis der Welt und der Kontrolle über sie herstellt, denn die Kontrolle über sie bedeutet immer, dass ein Verständnis der Welt überprüft wird. Und das Verständnis muss überprüfbar sein, weshalb wir die Welt immer besser kontrollieren können, je mehr wir über sie wissen. Um den Menschen zu verstehen – und dieses Argument habe ich in meinem Buch angeführt –, müsste man die physikalischen Gesetze komplett verstehen, denn um zu verstehen, wann das Team von Wissenschaftlern den Champagnerkorken knallen lässt – Sie betrachten das als ein physikalisches System und Sie wollen vorhersagen, wann oder ob dieses Team den Champagnerkorken knallen lässt –, müssen Sie verstehen, ob es ihnen gelingen wird, den Sachverhalt zu verstehen, den sie zu verstehen versuchen. Und dabei könnte es sich ja um alles mögliche handeln. Es könnte mit fernen Galaxien zu tun haben, mit Quarks … und es könnte mit der Biologie zu tun haben oder mit der Moral oder was auch immer. Wenn es ihnen gelingt, werden sie den Champagnerkorken knallen lassen; wenn man das vorhersagen will, muss man die Wahrheit hinter dem Sachverhalt kennen, den sie erforschen. Um den Menschen zu verstehen – bloß den Menschen –, muss man also alles verstehen. Umgekehrt kann der Mensch, wie ich eingangs sagte, alles beeinflussen und schließlich alles kontrollieren, was kontrollierbar ist.
DH: So humans play a central role in the cosmos – perhaps the most significant role that anything could play.
DH: Der Mensch nimmt also eine zentrale Stellung im Kosmos ein – vielleicht die bedeutsamste Stellung, die es überhaupt gibt.
DD: Yes, I think it’s a candidate for the most significant. I mean, if someone says ‘oh no, it’s spacetime that’s the most significant’, well maybe – but certainly humans are up there in that they are completely indispensable for understanding, ultimately.
DD: Ja, ich denke, sie ist ein Kandidat. Gut, wenn jetzt jemand sagt: »Ach nein, es ist die Raumzeit, die am bedeutsamsten ist«, nun ja, vielleicht – aber der Mensch ist auf jeden Fall ganz vorne dabei, weil er für unser Verständnis letztlich völlig unerlässlich ist.
DH: Let’s get to the multiverse. You are a famous proponent of the so-called many-universes ‘interpretation’ [signals air quotes on the word ‘interpretation’] of quantum physics. How is this interpretation different from… like, what are the contenders and how is it different from them.
DH: Lassen Sie uns zum Multiversum kommen. Sie sind ein berühmter Verfechter der sogenannten Viele-Universen-›Interpretation‹ [signalisiert Anführungszeichen beim Wort ›Interpretation‹] der Quantenphysik. Wie unterscheidet sich diese Interpretation von … also, wie lauten die Mitstreitertheorien und wie unterscheidet sie sich von ihnen.
DD: Well, as you’ve just indicated with your air quotes, I don’t think there are any other contenders. There are various versions of this many-worlds or many-universes interpretation – really it should be called Everettian quantum theory. It’s not an interpretation, it’s just what quantum theory says when taken seriously. There are several different versions of it, including rather far-removed ones, but in order to explain what brings about the experimental results that we see in just ordinary quantum-optics laboratories one must take on board the multiplicity of reality.
DD: Nun, wie Sie gerade mit Ihren Anführungszeichen angedeutet haben, glaube ich nicht, dass es noch andere Mitstreiter gibt. Es gibt verschiedene Versionen dieser Viele-Welten- oder Viele-Universen-Interpretation – eigentlich sollte sie Everett’sche Quantentheorie genannt werden. Es handelt sich nicht um eine Interpretation, sondern nur um das, was die Quantentheorie aussagt, wenn man sie ernst nimmt. Es gibt verschiedene Versionen davon, auch ziemlich weit hergeholte, aber um zu erklären, was zu den experimentellen Resultaten führt, die wir in ganz gewöhnlichen quantenoptischen Labors beobachten, muss man die Mannigfaltigkeit der Realität in Betracht ziehen.
DD: That is, when we do the experiment, there are many instances of us doing the experiment in parallel, or almost in parallel. You can predict the results without assuming that, but that’s just an empty prediction – it doesn’t explain how they come about. Therefore, it doesn’t involve any understanding. It just involves predicting, as in: I might tell somebody how to switch my TV on and how to reach a certain channel, but that is completely different from explaining to them how a TV works, or understanding how it works, or building a better TV. You cannot build a better TV just by being told what will happen when you press the remote. And it’s the same with physics in general.
DD: Das heißt, wenn wir das Experiment durchführen, gibt es viele Exemplare von uns, die das Experiment parallel oder nahezu parallel durchführen. Man kann die Resultate vorhersagen, ohne dies vorauszusetzen, aber dann handelt es sich nur um eine leere Vorhersage – sie erklärt nicht, wie die Resultate zustande kommen. Es ginge dabei also nicht darum, etwas zu verstehen, sondern nur um Vorhersagen. Zum Beispiel könnte ich jemandem sagen, wie er meinen Fernseher einschalten und einen bestimmten Sender empfangen kann, aber das unterscheidet sich grundlegend davon, ihm zu erklären, wie ein Fernseher funktioniert, oder vom Verständnis, wie er funktioniert, oder von der Herstellung eines besseren Fernsehers. Man kann keinen besseren Fernseher herstellen, wenn man lediglich erklärt bekommt, was passiert, wenn man die Fernbedienung drückt. Ebenso verhält es sich mit der Physik im Allgemeinen.
DD: So we need this multiplicity of universes, of realities or whatever you want to call them. We don’t have good language for it yet – our language is built on the assumption that only one thing happens. But in fact, many things happen, and we understand it very well now – much better than Everett himself did in the 1950s. And it is simply the only contender for an explanation of what happens to bring about the experimental results.
DD: Wir brauchen also diese Vielzahl von Universen, von Realitäten oder wie man sie auch nennen will. Wir haben noch keine gute Ausdrucksweise dafür – unsere Sprache beruht auf der Annahme, dass nur ein Ereignis stattfindet. Aber in Wirklichkeit finden viele Ereignisse statt, und wir verstehen das jetzt sehr gut – viel besser als Everett selbst in den 1950er Jahren. Und dies ist einfach der einzige Kandidat für eine Erklärung dessen, was passiert, um die experimentellen Resultate zu bewirken.
DH: You say in the chapter about the multiverse that every fiction that does not violate the laws of physics is fact. Why is that the case?
DH: In dem Kapitel über das Multiversum schreiben Sie, dass jede Fiktion, die nicht gegen die physikalischen Gesetze verstößt, Fakt ist. Warum ist das der Fall?
DD: That is the case because physical objects do not have sharp positions. ‘Sharp’ in this terminology means ‘the same in all universes’. The laws of quantum physics require that there is no such thing as a completely sharp position of a particle or of a person; no such thing as a completely sharp configuration of a person, or of their thoughts. And so there are always a few universes doing maverick things. When I say ‘a few’, I really mean a tiny number, like 2-(2100). But still, that’s not zero. This doesn’t affect things like decisions, it doesn’t affect what we should do when we’re betting on poker games or horse races, but it does mean that if you’re talking about existence, very strange things exist somewhere in the multiverse.
DD: Das ist deshalb der Fall, weil sich physische Objekte nicht an scharfen Orten befinden. ›Scharf‹ bedeutet in dieser Terminologie ›in allen Universen gleich‹. Die quantenphysikalischen Gesetze verlangen, dass es keinen völlig scharfen Ort eines Teilchens oder einer Person gibt; keine völlig scharfe Konfiguration einer Person oder ihrer Gedanken. Und so gibt es immer ein paar Universen, die Einzelgänger sind. Mit ›ein paar‹ meine ich wirklich eine winzige Zahl, etwa 2-(2100). Aber trotzdem ist das nicht null. Das hat keinen Einfluss auf Entscheidungen, es hat keinen Einfluss darauf, was wir tun sollten, wenn wir Poker spielen oder auf Pferde wetten, aber es bedeutet im Hinblick auf die Frage, was es wirklich gibt, dass es irgendwo im Multiversum sehr seltsame Dinge gibt.
DD: Now, having stressed that point, let me just claw that back a little in regard to the brain and thinking, because thinking is an error-correction process, and there are errors arising constantly in the brain – glitches, both electrical and due to temporary failed understanding which we later correct, either purely by hardware methods where the majority of neurons are saying that the minority are wrong, or by recognizing errors. So the proportion of universes in which our brain does something maverick is exponentially smaller again because error correction is exponentially efficient. By the way, that is true whether we are classical computers or quantum computers. So really, for all practical purposes, the existence of maverick versions of ourselves is negligible. But they are there, and that’s why I said that they are there – in other words, all stories that do not violate the laws of physics happen somewhere. But the ones that do violate the laws of physics don’t happen because they are uniform, they’re universal – they’re uniform across the multiverse.
DD: Lassen Sie mich diesen Punkt in Bezug auf das Gehirn und das Denken ein wenig zurückschrauben, denn das Denken ist ein Prozess, der Fehler korrigiert, und im Gehirn treten ständig Fehler auf – also Störungen, sowohl elektrische als auch solche, die auf ein vorübergehendes Unverständnis zurückzuführen sind, das wir später korrigieren, entweder durch reine Hardwaremethoden, bei denen die Mehrheit der Neuronen sagt, dass die Minderheit falsch liegt, oder durch das Feststellen von Fehlern. Der Anteil der Universen, in denen unser Gehirn ein Einzelgänger ist, ist also wiederum exponentiell kleiner, weil die Fehlerkorrektur exponentiell effizient ist. Das gilt übrigens unabhängig davon, ob wir klassische Computer oder Quantencomputer sind. In der Praxis ist die Existenz von Einzelgängerversionen unserer selbst also zu vernachlässigen. Aber es gibt sie, und deshalb habe ich gesagt, dass es sie gibt – mit anderen Worten: Alle Erzählungen, die nicht gegen die physikalischen Gesetze verstoßen, finden irgendwo statt. Aber diejenigen, die doch gegen die physikalischen Gesetze verstoßen, finden nicht statt, weil sie einheitlich sind. Sie sind universell – sie sind über das gesamte Multiversum hinweg einheitlich.
DH: This is fascinating because it means that every book you’ve read, every movie you’ve seen – if the plot doesn’t violate the laws of physics it really has happened or does currently happen somewhere in the multiverse, except it’s not a movie. It’s real.
DH: Das ist faszinierend, denn es bedeutet, dass jedes Buch, das Sie gelesen haben, jeder Film, den Sie gesehen haben – wenn die Handlung nicht gegen die physikalischen Gesetze verstößt, hat sie wirklich stattgefunden oder findet derzeit irgendwo im Multiversum statt. Jedoch handelt es sich dabei um keinen Film – es ist echt.
DD: Yes. The error-correction idea applies there, too. Not just in the brain, but also in a book or movie. If the book is about, say, someone doing magic, like Harry Potter or something, then, although it can’t happen that real magic occurs in these maverick universes – by the way, the term ‘maverick universes’ I think was invented by Bryce DeWitt, my former boss at the University of Texas – it just seems to have happened because something isn’t really levitating, it’s just that the atoms in the room happened to strike the apparently levitating object in just the right ways to keep it levitating. The thing is, those universes aren’t really universes because the very next thing that will happen in the vast majority of those is that the levitated object will fall to the ground. And that is because the apparent explanation of what was holding it up – namely magic – isn’t true. What was holding it up was just accident.
DD: Ja. Auch hier gilt das Konzept der Fehlerkorrektur. Nicht nur im Gehirn, sondern auch in einem Buch oder Film. Wenn es in dem Buch beispielsweise um jemanden geht, der zaubert, wie Harry Potter oder so, dann kann es nicht sein, dass in diesen Einzelgängeruniversen – der Begriff ›maverick universes‹ geht übrigens, glaube ich, auf Bryce DeWitt zurück, meinen ehemaligen Chef an der University of Texas – echte Magie betrieben wird. Es scheint nur so zu sein, denn da schwebt eigentlich nichts. Die Atome in dem Zimmer haben das Objekt zufällig genau richtig getroffen, damit es schwebt. Die Sache ist die, dass diese Universen keine wirklichen Universen sind, denn in den allermeisten von ihnen wird das schwebende Objekt als Nächstes zu Boden fallen. Und das liegt daran, dass die vermeintliche Erklärung dafür, was es in der Schwebe gehalten hat – nämlich Magie – nicht stimmt. Es war einfach nur Zufall.
DD: If you think that something only deserves to be called a universe, or a universe in which a particular story happens, if the explanations in the story are true in that universe, then these Harry Popper type universes aren’t universes at all. They are just wannabe universes. They’re just bits of the multiverse. We know anyway that there are many bits of the multiverse that aren’t universes. Universes are large-scale structures in the multiverse, but there’s plenty happening there that can’t be thought of as universes. So the Harry Potter ones are among those, too.
DD: Wenn man der Meinung ist, dass etwas nur dann als Universum bezeichnet werden kann – oder als Universum, in dem sich eine bestimmte Handlung abspielt –, wenn die Erklärungen in der Handlung in diesem Universum wahr sind, dann sind diese Harry-Popper-artigen Universen gar keine Universen. Sie sind nur Möchtegernuniversen. Sie sind nur Teile des Multiversums. Wir wissen ohnehin, dass es viele Teile des Multiversums gibt, die keine Universen sind. Universen sind große Strukturen im Multiversum, aber es gibt dort auch vieles, was nicht als Universum betrachtet werden kann. Die Harry-Potter-Universen gehören also auch dazu.
DH: This opens up a possibility for some interesting thought experiments. For example, in the book you write about the problem of aging; and you write that you hope one day we will solve this problem. I hope so too – and the problem of death more generally. Curing death is not against the laws of physics. Somewhere in the universe it happens; it’s already happened.
DH: Dadurch ergibt sich die Gelegenheit für einige interessante Gedankenexperimente. In Ihrem Buch schreiben Sie zum Beispiel über das Problem des Alterns, und Sie schreiben, Sie hoffen, dass wir dieses Problem eines Tages lösen. Das hoffe ich auch – und das Problem des Todes im Allgemeinen. Die Heilung des Todes verstößt nicht gegen die physikalischen Gesetze. Irgendwo im Universum wird er also geheilt, ist er bereits geheilt worden.
DD: Somewhere in the multiverse.
DD: Irgendwo im Multiversum.
DH: Sorry, yes, somewhere in the multiverse. And it also happens where people very much like us do it. Couldn’t we conclude that we don’t really need to worry about death, even right now, even though we haven’t solved death yet? Because we could imagine another universe where it’s exactly the same you with all the same memories and contents of your mind, and that universe and ours are exactly the same up until the point where people cure death. So you do get to survive, it’s just in a different universe.
DH: Entschuldigung, ja, irgendwo im Multiversum. Und er wird auch von Menschen geheilt, die uns sehr ähnlich sind. Könnten wir nicht zu dem Schluss kommen, dass wir uns über den Tod eigentlich keine Sorgen machen müssen, auch jetzt nicht, obwohl wir den Tod noch nicht überwunden haben? Denn wir könnten uns ein anderes Universum vorstellen, in dem es genau derselbe Mensch ist, mit all denselben Erinnerungen und Inhalten Ihres Verstandes, und dieses Universum und das unsere sind genau gleich, bis zu dem Punkt, an dem wir den Tod heilen. Sie überleben also doch, nur eben in einem anderen Universum.
DD: That seems unlikely. I mean, those of us who read Scientific American, say, will have seen hints that this was going to happen, and therefore will be different. There’s also another problem, which is that it is not yet known how to understand the issue of personal identity across the multiverse. Should somebody who accidentally turns out to have my exact state of mind be regarded as just another instance of me? Just like the ones that have a common origin with me. They are the same for a reason. The ones that are the same by accident – is that the same as the ball being held up by Harry Potter magic? In other words, not me, just looks like me? Or is it me because anybody who has my exact state of mind really is me? We don’t know yet. One has to work extremely hard to make sense of probability and decision making in the multiverse. I know because I’ve worked extremely hard to make sense of it. And to make sense of personal identity as well is a harder problem in my view. But it will be done, and we’re understanding more and more about the multiverse over time.
DD: Das klingt unwahrscheinlich. Ich meine, diejenigen von uns, die beispielsweise Scientific American lesen, werden Hinweise darauf gesehen haben, dass dies geschehen würde, und werden daher anders sein. Es gibt noch ein weiteres Problem, nämlich dass man noch nicht weiß, wie man das Problem der persönlichen Identität im Multiversum verstehen soll. Sollte jemand, der zufällig genau meinen Geisteszustand hat, als ein weiteres Exemplar von mir betrachtet werden? So wie die, die einen gemeinsamen Ursprung mit mir haben. Die sind aus gutem Grund gleich. Diejenigen, die zufällig gleich sind – ist das dasselbe wie der Ball, der durch Harry Potters Magie in der Schwebe gehalten wird? Wäre das mit anderen Worten also nicht ich selbst, sondern würde nur so aussehen wie ich? Oder bin ich es doch, weil jeder, der genau meinen Geisteszustand hat, wirklich ich ist? Das wissen wir noch nicht. Man muss sich schon sehr anstrengen, um sich einen Reim auf Wahrscheinlichkeiten und die Entscheidungsfindung im Multiversum zu machen. Ich weiß das, weil ich mich sehr angestrengt habe, um das zu verstehen. Und auch die persönliche Identität zu verstehen, ist meiner Meinung nach ein noch schwierigeres Problem. Aber es wird gelingen, und wir verstehen mit der Zeit immer mehr über das Multiversum.
DH: Now, in a similar vein: the origin of life is still a mystery. There are some good explanations; you cite one, the RNA-world hypothesis, in your book, but it’s still a mystery as to why is it that life arose when it did and what the conditions were that led to that. But in the same vein you could ask: well, the formation of life is not against the laws of physics – clearly, because we’re alive – and if it’s not against the laws of physics, well then it has to happen somewhere in the multiverse. And it is only in universes where the formation of intelligent life in particular happens that somebody even wonders why it’s there.
DH: Gut, in Anlehnung daran: Der Ursprung des Lebens ist immer noch ein Rätsel. Es gibt zwar ein paar gute Erklärungen; Sie führen eine davon, die RNA-Welt-Hypothese, in Ihrem Buch an, aber es ist immer noch ein Rätsel, warum das Leben zu jenem bestimmten Zeitpunkt entstanden ist und was die Bedingungen waren, die dazu führten. Aber genauso könnte man sich fragen: Die Entstehung von Leben verstößt nicht gegen die physikalischen Gesetze – das ist klar, denn wir leben ja –, und wenn sie nicht gegen die physikalischen Gesetze verstößt, dann muss sie nunmal irgendwo im Multiversum stattfinden. Und nur in den Universen, in denen sich speziell intelligentes Leben gebildet hat, fragt sich jemand, woran das liegt.
DD: Yes, but, as I also write in the book, that by itself – which is what they call an anthropic argument – in my view isn’t enough to explain anything. I think it can form part of an explanation of things, but it can never be the whole explanation, because if it were the whole explanation of, for example, why life formed, then one can show by a simple argument due to my other old boss, Dennis Sciama, that it only just happens. The laws, the initial conditions, the state of the planet, and so on – in the vast majority of cases where that was the only explanation for why life formed it only just formed. And if it only just formed, it’s a bit hard to see why it won’t be snuffed out in the next moment. That’s not a watertight argument but it kind of takes the wind out of the sails of the anthropic argument. One really needs something else.
DD: Ja, aber, wie ich auch in meinem Buch schreibe, reicht dieses anthropische Argument, wie es genannt wird, meiner Meinung nach nicht aus, um irgendetwas zu erklären. Ich denke, es kann zwar Teil einer Erklärung sein, aber niemals die vollständige Erklärung, denn wenn es die vollständige Erklärung dafür wäre, warum sich zum Beispiel Leben gebildet hat, dann kann man mit einem einfachen Argument, das auf meinen anderen alten Chef, Dennis Sciama, zurückgeht, zeigen, dass es nur gerade so passiert. Die Gesetze, die Anfangsbedingungen, der Zustand des Planeten und so weiter – in den allermeisten Fällen, in denen das die einzige Erklärung dafür wäre, warum sich das Leben gebildet hat, hat es sich nur gerade so gebildet. Und wenn es sich nur gerade so gebildet hat, ist es schwer nachzuvollziehen, warum es nicht im nächsten Moment wieder ausgelöscht wird. Das ist jetzt kein wasserdichtes Argument, aber es nimmt dem anthropischen Argument irgendwie den Wind aus den Segeln. Man braucht wirklich etwas anderes.
DD: Another reason why we should be looking for something else is that an anthropic explanation is kind of giving up. It’s kind of saying: it’s not due to a law of physics, it’s not due to some new principle along the same lines as the principle of evolution, which explained so wonderfully what were previously mysteries about life. It’s just that if it weren’t so we wouldn’t be asking. Well, I think that should be regarded as not good enough.
DD: Ein weiterer Grund, warum wir nach etwas anderem suchen sollten, liegt darin, dass man mit der anthropischen Erklärung sozusagen aufgibt. Sie sagt gewissermaßen: Es liegt nicht an einem physikalischen Gesetz oder an einem neuen Prinzip wie dem der Evolution, das die früheren Rätsel des Lebens so wunderbar erklärt. Es ist demnach lediglich so, dass wir nicht fragen würden, wenn es nicht so wäre. Nun, ich denke, man sollte das als nicht gut genug ansehen.
DH: Right. Okay, let’s wrap it up here. Again, this was a follow-up interview to the first interview we did in German for the translation of David Deutsch’s book The Beginning of Infinity. It is now available in German, titled Der Anfang der Unendlichkeit, and it’s about so much more than what we just discussed. We really only scratched the surface here. It’s also about good vs. bad philosophy, how to make decisions rationally, why flowers are beautiful, how cultures evolved, how our species evolved, the problem of sustainability… It’s a wonderful book, a fascinating read, and I encourage our German-speaking viewers and listeners to read the book. It’s guaranteed to change your worldview.
DH: Ich verstehe. Okay, lassen Sie uns hier zum Schluss kommen. Nochmals, dies war ein Folgeinterview zum ersten Interview, das wir auf Deutsch für die Übersetzung von David Deutschs Buch Der Anfang der Unendlichkeit geführt haben. Es ist jetzt erhältlich und handelt von sehr viel mehr als dem, was wir gerade besprochen haben. Wir haben hier wirklich nur an der Oberfläche gekratzt. Es handelt auch von guter und schlechter Philosophie, davon, wie man rationale Entscheidungen trifft, warum Blumen schön sind, wie sich Kulturen evolutionär entwickelt haben, wie sich unsere Art entwickelt hat, vom Problem der Nachhaltigkeit … Es ist ein wunderbares Buch, und ich empfehle unseren deutschsprachigen Zuschauern und Zuhörern diese faszinierende Lektüre. Es wird garantiert Ihre Weltanschauung verändern.
DH: It was fascinating speaking with you.
DH: Das war ein faszinierendes Gespräch.
DD: Nice talking to you, and let’s see how the German edition does.
DD: Es hat mich gefreut, und mal sehen, wie sich die deutsche Ausgabe so macht.

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